03.04.2012 Worpswede Von: Eva Kairies
Werke der ersten Künstlergeneration im neuen Modersohn-Haus

Verehrte alte Worpsweder

In Worpswede wurde jetzt das modernisierte Modersohn-Museum eingeweiht.

„Wir haben alles für Sie/sie schön gemacht“, hatte Sigrun Kaufmann auf die Einladungskarten für die Einweihung des Modersohn-Museums in der Hembergstraße 19 mitten in Worpswede drucken lassen. Für Sie, liebe Leser und Modersohn-Museumsbesucher, und für sie, die Bilder der alten Worpsweder, die während eines Winters in Klagenfurt gezeigt wurden.

In der Zeit des Leerstandes habe man die Idee einer Modernisierung endlich umgesetzt, immer ganz konzentriert auf die Präsentation der alten Werke. „Die zweite Generation der alten Worpsweder war vorher kaum zu zeigen, die Stellwände haben den Blick auf den großen Raum verdeckt“, erinnerte sich Frau Kaufmann. „Das ist unser Beitrag zum diesjährigen Vogeler-Jahr“, sagte sie.

„Wir zeigen einen ganzen Raum voll Vogeler von Jugendstil über Expressionismus bis zu seinen Reiseskizzen.“ Es liege jedoch nah, die Bilder der Gründergeneration in diesem Hause zu zeigen.

„Das Museum am Modersohn-Haus ist und bleibt privat geführt, von mir und meinem Sohn Bernhard. Wir wollen, dass das Haus weiter blüht, wächst und gedeiht – und nicht verkümmert.“ Sie dankte ihren Mitarbeitern, die ihr bei ihrem Vorhaben sehr geholfen hätten.

Eine kurze Laudatio hielt der Direktor der Kunstsammlung Böttcherstraße, Dr. Frank Laukötter. Die alten Worpsweder Meister und die Meisterin begännen mit Mackensen, dem Gründer der Kolonie, von dem Paula Modersohn-Becker als der „Wirklichkeitsmensch“ gesprochen hatte, mit der „weichen Künstlerseele“ Hans am Ende, mit Overbeck und Vinnen und dem märchenhaft wirkenden Vogeler.

„Die eigentlich wichtigen Personen sind Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker, die Modersohn als den „Märchenmaler“ oder „kleiner Träumer“ bezeichnet hat. Sein Bild ‚Waldfrau‘ verfügt über gewisse Symbolik“, meinte Laukötter. Die Fee, die Zwerge … könne das nicht PMB (Fee) mit ihren Verehrern (Zwerge) sein? Paula Modersohn-Becker wurde von Modersohn als „echte Künstlerin“ erkannt, von denen es nur wenige in der Welt gäbe. „Keiner kennt sie, keiner schätzt sie – das wird anders werden“, wurde er von Laukötter zitiert. Als „Wunderland, Götterland“ habe sie Worpswede mal beschrieben. „Die Bewohner wissen nicht, wie schön das Land ist. Man sagt es ihnen nicht. Sie verstehen es nicht.“

Bürgermeister Stefan Schwenke freute sich über die Heimkehr der „noblen Gäste in Klagenfurt“, wie er die Bilder nannte. Er freute sich auch, dass Sigrun und ihr Sohn Bernhard nach dem Tod von Dr. Wolfgang Kaufmann, der bis zu seinem Tod im letzten September das Haus geführt hatte, das seiner Meinung nach große und wundervolle Erbe angenommen haben. Und er freute sich, dass Familie Kaufmann helfe, das kulturelle Erbe Worpswedes zu pflegen. „Es zeigt sich immer, wie sehr die Kunst der alten Worpsweder verehrt wird. In der künstlerischen Welt wird darauf geachtet, was in Worpswede und mit dem Masterplan geschaffen wird. Unser kultureller Auftritt, zu dem auch Ihr Museum gehört, wird bewundert und auch mit Neid betrachtet.“

Wie zur Eröffnung nach großem Umbau im Jahre 1997 sprach auch der damalige Oberkreisdirektor Hans-Jochen v. Friedrichs zur aktuellen Gelegenheit. „Kaufmann wusste, was er wollte“, sagte er rückblickend. Kaufmann habe gewusst, Stillstand sei Rückstand. Kaufmann habe seine Aufgabe darin erkannt, die Kunst transparent zu machen, habe sich als Bindeglied zwischen Kunst und Kunstfreund verstanden. v. Friedrichs bescheinigte dem Museum einen ungeheuren Fundus. „Ich bewundere Ihren Mut zur Umgestaltung, ohne Mann, ohne Vater, doch mit Risiko. Sie haben es hervorragend verstanden, diesen Schatz, die Bernhard-Kaufmann-Kunstsammlung und das Sterbehaus Paula Modersohn-Beckers, zu einem lebendigen Kunszentrum in der Kunstgeschichte Worpswedes zu machen.“