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| Fr 05.03.2010 Worpswede / Antje-Kathrin Jahnke
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| Tiefe Gräben sind zu überwinden |
| Nordwestradio unterwegs versucht Kirchenstreit auf den Grund zu gehen |
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Der helle Raum im Worpsweder Bahnhof ist gut gefüllt, rund 30 Personen jeden Alters haben es sich gemütlich gemacht, um die Diskussion des Nordwestradios live zu verfolgen. Vertreten sind sowohl Anhänger des Kirchenvorstandes als auch Unterstützer der Jugendlichen, die, zumindest vor Ort, in Überzahl sind. „Nordwestradio unterwegs“ will Licht ins Dunkel der schwierigen Zerwürfnisse in der Kirchengemeinde des Künstlerdorfes bringen und hat dazu alle Parteien eingeladen. Und sie folgten dem Ruf - außer dem Kirchenvorstand.
Obwohl zunächst Ulf Franzke, Kirchenvorstandsvorsitzender, seine Teilnahme zusagte, tritt er kurzfristig von seiner Entscheidung, sich öffentlich zu äußern, mit dem Verweis auf das schwebende Verfahren zurück. Kurz vor der Sendung erhält die Redaktion des Nordwestradios dann doch noch eine zweiseitige Erklärung des Kirchenvorstandes, in dem sie darauf verwiesen, dass sie zu keiner Zeit die Jugendarbeit verhindern wollten.
„Ich fühlte mich mal aufgehoben in der Scheune“, sagt Benjamin Bild, der junge Mann, der zu Beginn des Jahres von seiner ehrenamtlichen Arbeit aufgrund kritischer Äußerungen über Kirchenvorstand und Diakonin bei einem Familienessen im Restaurant suspendiert wurde. Kollege Benjamin Meyer stimmt ihm zu, seit einem halben Jahr sei er jetzt weniger aktiv in der evangelischen Jugend, weil die Lage eher schlimmer als besser geworden wäre. „Die Jugendlichen werden nicht mehr mit einbezogen“, sind sich beide sicher und haben auch gleich ein paar Beispiele parat, sei es ein mangelndes Mitspracherecht bei der Renovierung der Scheune oder auch bei den Bewerbungen auf die Diakonenstelle. Nach der Suspendierung Bilds – „vor einem Tribunal“, so Meyer – hätten die Jugendlichen jetzt sogar Angst, mit dem Kirchenvorstand zu sprechen. Obwohl sie wirklich bereit seien, sich mit allen Beteiligten zusammenzusetzen um den Streit beizulegen, erklärt Meyer.
Den Konflikt zu lösen scheint der Wunsch aller Beteiligten zu sein, wie im Verlauf der Diskussion deutlich wird. Bürgermeister Stefan Schwenke betont immer wieder, dass er mit allen Seiten redet, sich ein Bild von der Situation in der Scheune macht, versucht gegenseitiges Verständnis zu wecken, sich als Vermittler zur Verfügung stellt, denn der Riss durch die Gemeinde hätte auch Einfluss auf die Außenwirkung Worpswedes. „Aber die Situation ist schwierig.“
Dass eine Versöhnung möglich ist, findet auch Zuhörerin Karin Zappe, die eine Unterschriftenaktion zur Unterstützung des Kirchenvorstandes initiiert hat. Sie ist sicher, dass der Kirchenvorstand bereit ist, sich mit den Jugendlichen zusammenzusetzen. Allerdings meint sie auch, dass es immer wieder in der Jugendarbeit Jugendliche gäbe, die sich verweigerten. Meyer und Bild sehen dies ganz anders, sie würden sich um Verständigung bemühen.
Zustimmung erhielten die Jugendlichen nicht nur aus dem Publikum, sondern auch von Jochen Semken, Mitglied der UWG-Fraktion. Die Politik sei sich fraktionsübergreifend einig, dass gute Jugendarbeit wichtig ist. Wenn allerdings Denunziation als pädagogisches Mittel eingesetzt werde, kann das nicht die richtige Umgangsweise sein, betont Semken mit Blick auf die Umstände, die zu Bilds Suspendierung führten. Woraufhin das Publikum zustimmend applaudiert.
Landesjugendpastorin Cornelia Dassler, die extra aus Hannover für die Diskussion angereist ist, findet, dass in Worpswede alle Voraussetzungen für eine gute und gelingende Jugendarbeit vorhanden seien. Sie habe den Eindruck, dass viele Kräfte gewillt seien, die Jugendarbeit wieder zur stärken, allerdings ginge dies nur, indem die Jugendlichen einbezogen, ihnen ehrliche Gestaltungsmöglichkeiten geben werden. „Wenn einem die Jugendarbeit wichtig ist, muss man in Kauf nehmen, dass es auch mal Auseinandersetzungen gibt.“ Allerdings müssten diese auch begelegt werden können. Es sei wichtig, die neue Diakonin, Ilona Wellbrock, zu unterstützen, da sie in einer schwierigen Phase unvorbereitet in die Situation hineingeworfen wurde. Der Neuanfang sei daher vielleicht nicht wirklich gelungen.
Wie aber den Frieden wieder herstellen? Die Jugendlichen, Jochen Semke und auch ein Großteil der Zuhörer sind sich sicher, dass dies nur über den Rücktritt des Kirchenvorstandes geht, wie auch in dem Antrag an die Landeskirche seitens des Kirchenkreistagsvorsitzenden Eckart Richter gefordert wird. Nur so könne ein Neuanfang mit neutralen Personen passieren, die es vermögen, die tiefen Gräben zwischen den Fronten zu überwinden. Die andere Seite hingegen pocht auf den Verbleib des Vorstandes in seinem Amt. Aber egal wie die Sache ausgehe, auch die Gewinner würden möglicherweise nur lädiert aus diesem Machtkampf hervorkommen, ist Dasslers Ansicht. Falls der Kirchenvorstand zurücktrete, müsse auch weiterhin ein Zusammenleben mit den betreffenden Personen in der Gemeinschaft möglich sein. Die Probleme müssten geklärt werden und es müsse zugehört werden, ist der Wunsch der Landesjugendpastorin für die Zukunft in der Worpsweder Jugendarbeit, den alle Beteiligten und das Publikum, das noch nach Ende der Sendung in Kleingruppen weiter diskutiert, gerne unterschreiben.
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