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| Fr 05.03.2010 Lilienthal / Giulia Abis
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| Griechischer Ministerpräsident ist seriös |
| Dr. Dietrich Kyaw stellt sein Buch „Auf der Suche nach Deutschland“ vor |
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Zur Stunde Null ging seine Suche nach Deutschland los. „Es war das totale Chaos“, sagt Dr. Dietrich Kyaw über den Anfang des Weges, der ihn zum überzeugten Europäer machte und im Alter von zehn Jahren in Pommern begann. Als Flüchtlingskind habe er Glück gehabt, berichtet Kyaw, der von dem Europaunion-Landesverband Bremen und dem Kreisverband Osterholz für einen Vortrag und die Vorstellung seines Buches ins Kompetenzzentrum der Volksbank Lilienthal eingeladen wurde.
Seine Mutter rettete sein Latein-Schulbuch und schickte ihn während der Flucht bei jedem noch so kurzen Aufenthalt in jeder Gemeinde zum ansässigen Gemeindepfarrer, um ihn dort in Latein unterrichten zu lassen. Das habe ihm später, auf dem Gymnasium, immer eine zwei in Latein eingebracht, mit der er andere Noten ausgleichen konnte, berichtet Kyaw, der nach seinem Abitur an die Universität Bonn ging – nicht nur wegen der Uni, sondern vor allem, weil er in der Hauptstadt sein wollte. Nach seinem Studium der Politik- und Rechtswissenschaften in Bonn, Chicago und Lüttich und seiner anschließenden Doktorarbeit in Rechtswissenschaft zog es Kyaw als Diplomat in den Auswärtigen Dienst. Schon damals habe er verstanden, dass die deutsche Zukunft eine europäische sei.
In seinem Buch „Auf der Suche nach Deutschland: Erlebnisse und Begegnungen eines deutschen Diplomaten und Europäers“ berichtet Kyaw ausführlich über seine Erfahrungen als Diplomat in Afrika, Amerika und bei den Vereinten Nationen in New York. Vor seinem Ruhestand war Kyaw – als Höhepunkt seiner Karriere – ständiger Vertreter Deutschlands bei der Europäischen Union in Brüssel. Kyaw war bei den großen Ereignissen, wie den Verhandlungen zu einer gemeinsamen europäischen Währung, der heiklen Situation der Wiedervereinigung und auch den Vorbereitungen zur Osterweiterung der EU dabei. In seinem Buch beschreibt er kleine Anekdoten und Begebenheiten. Beispielsweise wusste er schon acht Monate vor seinem damaligen Chef, dem Außenminister Hans-Dietrich Genscher, nämlich bereits im Januar 1988, dass es in absehbarer Zeit zu einer Wiedervereinigung Deutschlands kommen wird. Kyaw war damals an der deutschen Botschaft in Washington und als er zurück nach Deutschland beordert wurde, sagten Mitarbeiter des Pentagon und des CIA, mit denen er beruflich zu tun hatte: „Hast du ein Glück, dass du gerade jetzt zurück nach Bonn darfst.“ Kyaw fragte nach, warum das gerade jetzt ein Glück sei, worauf die Agenten antworteten „Na, die Wiedervereinigung Deutschlands stehe doch unmittelbar bevor“. Sehr lebendig schildert Kyaw auch, wie der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder während den Verhandlungen zur EU-Osterweiterung den spanischen Ministerpräsidenten José Maria Aznar mit einer Zigarre zurück an den Verhandlungstisch holte. Der überzeugte Europäer Kyaw erzählt aber nicht nur im Plauderton über die kleinen Begebenheiten am Rande der großen Politik. Gerade wenn es um ein einiges Europa geht, wird er nachdrücklich und ernst. Deutschland war Dreh- und Angelpunkt in zwei Weltkriegen. „Wenn wir Europa vernachlässigen, kommt die deutsche Frage wieder hoch“, prophezeit Kyaw.
Auch zum Thema Euro hat er eine feste Meinung. Wenn wir den Euro nicht hätten, meint Kyaw, würden jetzt während der Finanzkrise viele unserer Nachbarländer ihre Währungen abwerten und wir als Exportland stünden mit tausenden mehr Arbeitslosen da. Darum appelliert Kyaw, man müsse den Euro schützen und dabei auch Griechenland mit im Boot behalten. Dessen Ministerpräsident Giorgos Andrea Papandreou traut er das Überwinden der Krise durchaus zu: „Der griechische Ministerpräsident ist ein seriöser Mann“, weiß Kyaw aus persönlichen Gesprächen mit ihm.
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