29.08.2017 Bremervörde Von: Ingrid Mahnken
Letztes Bremervörder Schlossgebäude wird bauhistorisch untersucht

Bauspuren erzählen ihre Geschichte

Dass in Bremervörde im 17. Jahrhundert ein fürstliches Renaissanceschloss stand, weiß heute kaum noch jemand, denn die gesamte Anlage ist bis auf ein Gebäude bereits Ende des 17. Jahrhunderts abgetragen worden.

„Es ist ein ganz besonderes Projekt" erklärte Museumsleiterin Ellen Horstrup im Rahmen eines Pressegespräches. Denn von der Bausubstanz des denkmalgeschützten Gebäudes erhoffen sich alle Beteiligten interessante Bauspuren, die archäologische Hinweise auf das Gebäude geben und ihre Geschichte erzählen.

Erforscht und dokumentiert werden sollen das Alter des Gebäudes, Umbauten sowie Veränderungen in den Räumen. Auf der Basis dieses Gutachtens könne dann eine denkmalgerechte Sanierung geplant werden. Der Kreisarchäologe und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Bachmann Museum, Dr. Stefan Hesse, betonte, dass es das Gebäude verdient hätte, die umfassende Baugeschichte ans Licht zu holen.

Der Landkreis Rotenburg als Eigentümer des Gebäudes plant gemeinsam mit der Stiftung Bachmann-Museum die vollständige Sanierung des Baudenkmals. „Das wird teuer" befürchtete Landrat Hermann Luttmann, gleichzeitig Vorsitzender des Kuratorium Bachmann Museum. Unterstützung erhofft sich Luttmann auch aus Bundes-und Landesmitteln.

Zur Geschichte: Anfang des 17. Jahrhunderts ließ der Erzbischof von Bremen das Kanzlei- und Marstallgebäude als Teil des Bremervörder Schlosses errichten. Nachdem die eigentlichen Schlossgebäude ab 1682 abgetragen wurden, blieb das Verwaltungsgebäude stehen und beherbergte sogar hochrangige Gäste wie den russischen Zaren Peter den Großen.

Über die Jahrhunderte hinweg bis 1966 war das Gebäude zentraler Verwaltungsmittelpunkt für die Region. Seitdem ist hier ein Museum untergebracht.

Rüdiger Meyer, Regionaldirektor der VGH Regionaldirektion in Stade erklärte, dass das Kanzlei-und Marstallgebäude des ehemaligen Schlosses einen bedeutenden Zeitzeugen der Geschichte Niedersachsens darstelle. Die Stiftung Bachmann Museum lege mit der bauhistorischen Untersuchung den Grundstock für die dringend notwendige Sanierung. Die VGH unterstütze dieses Vorhaben gerne, um zu verhindern, dass dieses älteste Gebäude Bremervördes verloren gehe, leiste es doch einen wichtigen Beitrag zur Identifikation der Menschen vor Ort.

Die bauhistorischen Arbeiten haben schon begonnen. Die geschichtsträchtigen Ergebnisse sollen nach Fertigstellung der Sanierungsarbeiten zum Ende des Jahres in einer Dauerausstellung im Bachmann Museum zu sehen sein.