13.04.2018 Osterholz-Scharmbeck Von: Eva Kairies
Lions-Benefiz-Vortrag rüttelte auf

Maßlose Klimakiller

Prof. Dr. Peter Lemke sprach über den Klimawandel und zeigte Bilder von der faszinierenden Schönheit dieses Planeten, den wir gemeinsam durch Bequemlichkeit und Maßlosigkeit zerstören.

In einem reich bebilderten und eindrucksvollen Vortrag gab er Einblicke, wie und womit er und seine Kollegen vom IPCC-Team gemeinsam mit Al Gore 2007 den Friedensnobelpreis erhalten hatten. Prof. Lemke koordinierte vor elf Jahren den 4. Klimabericht des Weltklimarats IPCC (International Panel on Climate Change), der die Erkenntnisse von nicht weniger als 850 Wissenschaftlern zusammenfasste.

Es war dieser Bericht, der die weltweite Debatte über die Risiken der globalen Erwärmung und Strategien zur Begrenzung ihrer negativen Folgen auslöste. Das Klima, versuchte Prof. Lemke seinen Zuhörern einen komplexen Ablauf in Kurzfassung zu erklären, wozu seine Studenten mehrere Semester benötigten, sei das Ergebnis der Bedingungen von Meer und Atmosphäre: „Man kann sich das Verhältnis vorstellen wie das einer schnellen Tänzerin und einem sehr langsamen Tänzer. Die Temperatur der Atmosphäre kann sich in ein paar Tagen verändern, die des Meeres hingegen braucht tausend Jahre." Diese Wechselwirkung machten das Klima und die Erforschung interessant und kompliziert. „Kurzfristige Änderungen des Klimas lassen sich schlecht voraussagen. Über die langfristigen Änderungen müssen wir uns Gedanken machen, und das schon ziemlich lange."

In seinen Polarforschungen von 1990 bis 2013 konnte man in den Erkenntnissen schon deutlich sehen, was der Mensch mit seinem CO2 anrichte. Eigentlich sei alles eine simple Frage der Bilanz. „Man kann es mit einem Landwirt vergleichen: Alles, was er im Sommer für seinen kompletten Bedarf rausgeholt hat, wird im Winter für seine Existenz verbrannt. Das entstandene Kohlendioxid wird von den Bäumen und dem Meer aufgenommen. Doch für diese Bilanz sind wir zu viele Menschen. So viel Fläche gibt es nicht auf der Erde." Ein Archiv für alte Luft sei das Eis der Antarktis, das nichts weiter sei als gepresster Schnee. „100 Meter Schnee drückt die unterste Lage zu Eis. Wie war wann der CO2-Gehalt in der Luft, wie alt ist das Eis, wie viel Staub, wie viel Methan – Chemiker messen alles an einem 3,7 Kilometer langen Eiskern aus der Antarktis."

Anhand dieser Archive könne man die Eiszeiten und die Warmzeiten und deren jeweiligen CO2-Gehalt ablesen. „In üblichen Warmzeiten pegelte sich der angestiegene CO2-Gehalt bei etwa 100 Einheiten ein. In unserer jetzigen Warmzeit liegen wir bereits bei 407 Einheiten." Was dieser Planet innerhalb von 20.000 Jahren zwischen Eis- und Warmzeit an CO2 produziere, schaffe der Mensch in 200 Jahren. Die Bilanz stimme einfach nicht mehr durch den Einfluss der Menschen, deren Zahl sich von einer Milliarde bis 1800 auf heutige acht Milliarden geschraubt hat. „Das allein ist schon ein starker Einfluss, noch drastisch verstärkt durch die Emittierungen durch Kohle, Öl und Gas."

Die Bequemlichkeit und die Maßlosigkeit des Menschen seien der Grund für diese zerstörerische Spirale. Seine von den Reisen des Forschungsschiffes Polarstern mitgebrachten Bilder machten nachdenklich, Bilder der faszinierend schönen Erde und ihrem so leicht zu zerstörenden Zusammenspiel. „Die Natur ist unerbittlich, sie wird mit uns keine Gnade kennen", sagte Prof. Lemke. Wir sollten nicht vergessen, meinte er Tennessee Williams´ „Die Glasmenagerie" zitierend, dass die Zukunft zur Gegenwart wird und die Gegenwart zur Vergangenheit und dass sich die Vergangenheit in ewige Reue verwandelt, wenn man nicht früh genug plant.