05.10.2018 Landkreis

Grünkohl & Co.

Eine kurze Geschichte des Kohls

Endlich ist es wieder soweit: Ganz Norddeutschland kannes kaum erwarten, dass wieder die Kohlsaison beginnt. Genau genommen, so würde zumindest ein echter Bremer sagen, beginnt sie ja traditionell erst mit dem Buß- und Bettag. Und der ist in diesemJahr erst am 19. November.

Das ist ja noch Wochen hin, mag da mancher erschrecken. Tradition hin oder her, tatsächlich muss man das heute nicht mehr so eng sehen. In früheren Zeiten brauchte man solche Regeln, damit auch jeder wusste, ab wann der Kohl genießbar war. Denn der braucht bekanntlich einmal Frost, durch den die Bitterstoffe zerstört werden. Mitte Novemberwar die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es bereits Nachtfrost gegeben hatte.

Heute wird der Kohl industriell angebaut und lange vor dem natürlichen Frost geerntet. Diese Aufgabe übernehmen die Kühlhäuser. Und so bleibt es jedem selbst überlassen, ob er der Tradition wegen wartet oder schon früher reinhaut.

Grünkohl - eine Götterspeise?

Reingehauen hat auch Dionysos. Der war nach der griechischen Mythologie auf dem Olymp als Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit, des Wahnsinns und der Ekstase zuständig. Er soll sich der Sage nach dermaßen über Prinz Lykurgos geärgert haben, dass er diesen regelrecht zerriss. Und aus Lykurgos Tränen soll dann der erste Kohl gewachsen sein. Bei den Römern stand Kohl auchin der realen Welt sehr hoch imKurs. Man überbot sich regelrecht darin, möglichst große und farbenprächtige Kohlsorten zu züchten. Das brachte nicht nur Ansehen, sondern auch Reichtum.

Allerdings bezweifeln Wissenschaftlerheute, dass der Grün oderBraunkohl, wie wir ihn kennen, tatsächlich aus dem mediterranen Raum stammt. Vielwahrscheinlicher ist eine Abstammung vom sogenannten Meerkohl, der schon früh zwischen dem nördlichen Dänemark und den Atlantikregionen nachgewiesen werden konnte.

Wer hat‘s erfunden?

Wie die Tradition des Kohlessens entstand, das weiß heute keiner mehr. Sicher ist nur, dass bereits 1545, bei der Entstehung des Bremer Schaffermahls Kohl und Pinkel gereicht wurden. DieOldenburger hingegen nehmen für sich in Anspruch, das Kohlessen erfunden zu haben. Überliefert ist jedenfalls, dass 1586 dem Rechtsgelehrten Justus Lipsius aus Brüssel bei einem Besuch im Oldenburgischen Kohl mit Pinkel angeboten wurde. Dieser aber regte sich fürchterlich auf und bezeichnete angesichts der fetten und schwer verdaulichen Mahlzeit die Oldenburger als Barbaren.

Der Grünkohl enthält die Vitamine A,C und K, dazu Folsäure, Calcium, Kalium, Magnesium, viel Eisen und Omega-3-Fettsäuren. Hinzukommen zahlreiche Ballaststoffe, die die Verdauung verbessern. So wirke der Grünkohl entzündungshemmend und antioxidativ. Er soll sogar den Cholesterinspiegel senken und das Herz-Kreislauf-System stärken. Aber leidereben nur, wenn man ihn möglichst schonend zubereitet und ohne fette Pinkel, Mettwurst und Bauchspeck serviert. Längst haben Köche weltweit den Grünkohl entdeckt und zahllose Variationen des gesunden Kohls entwickelt. So gibt esRezepte für Grünkohlsuppen, für Teigtaschen mit Grünkohl, für Grünkohl in asiatischer Machart, für Grünkohl-Avocado-Salat und sogar für Spaghetti mit Grünkohlsoße.

Und für ganzUnerschrockene gibt es sogar Grünkohl-Smoothies. Jedem, wie es schmeckt

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